Wissenschaftsfreiheit: Deutschland an der Spitze – schlechte Noten dagegen für Autokraten

Zur Veröffentlichung des Academic Freedom Index 2022 erklärt Kai Gehring, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung:

 

In Deutschland ist es laut Academic Freedom Index um die Wissenschaftsfreiheit sehr gut bestellt. Aufgeregte Debatten um eine angebliche „Cancel Culture“ an den Hochschulen hierzulande erweisen sich angesichts der Ergebnisse des Index einmal mehr als übertrieben und gegenstandslos. Der Platz an der Ranking-Spitze darf für Deutschland kein Anlass zu Untätigkeit sein. Während der Pandemie haben auch in Deutschland Drohungen und Angriffe gegen Forscherinnen und Forscher zugenommen. Wissenschaftsfeindliche Kampagnen sollen ganze Forschungsfelder – etwa die Klima- oder Geschlechterforschung – in Misskredit bringen. Hier müssen sich alle Demokratinnen und Demokraten dagegenstellen. Die Stärkung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen hierzulande bleibt gerade auch angesichts der großen Herausforderungen wie der Klimakrise eine Notwendigkeit.

In anderen Teilen der Welt sieht es dagegen wesentlich schlechter aus. Besonders dramatisch ist derzeit die Lage in der Ukraine angesichts des russischen Angriffskrieges, wo die Zukunft eines ganzen Landes zerstört wird. Hunderten mutigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die in Russland öffentlich gegen Putins Angriffskrieg protestieren, drohen scharfe Sanktionen eines Staates, der demokratische und akademische Freiheit systematisch missachtet.

Autokraten fürchten die Kraft freier, unabhängiger Wissenschaft und schränken die akademische Freiheit darum weltweit ein. Wenn Feinde von Vielfalt und kritischem Denken Hochschulen immer weniger Luft zum Atmen lassen, ist es für Deutschland umso stärker eine zentrale Aufgabe, international klar für Wissenschaftsfreiheit einzutreten.