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Interview: Die Politik fragt – Deutschland Hilft antwortet

 

Kai Gehring, Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe sowie im Kuratorium von Deutschland Hilft, befragt Christoph Waffenschmidt, Aufsichtsrat von Aktion Deutschland Hilft und Vorstand von World Vision Deutschland.

 

Kai Gehring: In diesen Tagen feiern wir den 30. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention. Welche Bedeutung hat die Konvention mit den darin verbrieften Rechten für Ihre Arbeit?

Christoph Waffenschmidt: Durch die UN-Kinderechtskonvention haben wir einen anerkannten Referenzrahmen, um konkrete Maßnahmen zum Wohl der Kinder politisch einzufordern, aber auch selbst mit unserer Arbeit einen wirksamen Beitrag zu leisten. Stellt man sicher, dass die Kinderrechte in die Realität umgesetzt werden, hat man eine fast ganzheitliche Perspektive auf die positive Entwicklung der Kinder. Ich sage „fast“, da wir das Recht der Kinder auf eine unversehrte Umwelt bisher in der UN-Konvention vermissen.

Gehring: Wie schaffen Sie es, unter dem Druck in akuten Notlagen Kinder und Jugendliche angemessen zu berücksichtigen?

Waffenschmidt: Unsere humanitäre Hilfe schließt Katastrophenvorsorge und Übergänge zur Entwicklungszusammenarbeit ein, so dass wir gezielt Hilfsstrukturen für Kinder und Jugendliche stärken können. In der akuten Notlage kümmern wir uns unter anderem darum, dass Kinder nicht verloren gehen und gut betreut werden. Wenn sie großem Stress, Not und vielleicht auch Gewalterfahrungen ausgesetzt sind, ist es insbesondere wichtig, dass ihr Recht auf Spiel und Freizeit umgesetzt wird. Kinderfreundliche Spiel- oder Lernorte geben Kindern einen Halt und haben einen positiven, stabilisierenden Einfluss auf ihr Wohlbefinden.

Gehring: Wie hat sich die Unterstützung für Mädchen und junge Frauen in humanitären Krisen in den letzten Jahren geändert?

Waffenschmidt: Es wird stärker berücksichtigt, dass Mädchen und Frauen zwar viele soziale Aufgaben wahrnehmen, aber nicht gleichberechtigt behandelt werden. Ein guter Ansatz ist zum Beispiel, Frauen mit Entscheidungs- und Führungsaufgaben zu betrauen oder ihnen gezielt Ausbildungs- und Verdienstmöglichkeiten zu verschaffen. Wir sind auch besser vorbereitet auf die Gefahr von zunehmender geschlechtsspezifischer Gewalt und Ausbeutung in Krisen. Verschiedene Richtlinien und Standards, an denen auch World Vision mitgearbeitet hat, unterstreichen die Verantwortung aller Akteure der humanitären Hilfe.

Gehring: In aktuellen Konflikten, wie im Jemen, wird rücksichtslos auch gegen Kinder und Jugendliche vorgegangen. Welche Möglichkeiten sehen Sie angesichts der katastrophalen Lage, ihr Leid zu lindern?

Waffenschmidt: Wir rufen im politischen Umfeld unermüdlich dazu auf, Kampfhandlungen durch zivile Konfliktlösungen zu ersetzen, weil Kindern damit am meisten geholfen wäre. Wo es uns möglich ist, versuchen wir den leidenden Menschen nah zu sein. „Aktion Deutschland Hilft“ ermöglicht uns auf die Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wasser und die medizinische Versorgung von Kindern einzugehen. Geflüchteten Kindern bieten wir sichere Orte zum Spielen an oder ermöglichen ihnen Zugang zu Bildung. Es ist äußerst wichtig, dem Grauen etwas entgegen zu setzen. Dies gilt für alle Länder, Jemen eingeschlossen.