11.07.2018  Bildung

Studienkredite: Studienfinanzierung nicht nur Privatsache

Zu den aktuellen Zahlen zu Studienkrediten erklärt Kai Gehring, Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule:

 

Ein Hochschulstudium auf Pump birgt immer das Risiko, zur Schuldenfalle für junge Menschen zu werden. Der Rückgang bei den Studienkrediten zeigt, dass immer weniger Studierende dieses Schuldenrisiko eingehen und diese finanzielle Bürde als Absolvent tragen wollen. Viele Studierende, gerade aus Familien mit geringen oder mittleren Einkommen, schlagen sich stattdessen mit Nebenjobs durch oder sind auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen.

Der Staat darf die Frage, wie ein Studium finanzierbar wird, nicht einseitig auf Studierende oder deren Eltern abwälzen. Eine gerechte Studienfinanzierung ist keine Privatsache, sondern eine zentrale Aufgabe und Investition des Staates, die zu höheren privaten und gesellschaftlichen Bildungserfolgen führt. Der Staat muss vor allem auch in die Köpfe investieren, deren Portemonnaie weniger dick ist, denn Zukunft darf nicht von Herkunft abhängen. Die Bundesregierung hat das BAföG in der Vergangenheit aber sträflich vernachlässigt, auch die letzte Novelle ist quasi wirkungslos verpufft.

Es ist skandalös, dass immer mehr Studierende aus der BAföG-Berechtigung und -Förderung herausrutschen, obwohl sie Unterstützung brauchen. Damit Aufstieg durch Bildung für alle möglich wird, müssen die Bedarfsätze und Freibeträge beim BAföG unverzüglich um mindestens 10 Prozent steigen und ab sofort verlässlich entlang der wirtschaftlichen Entwicklung dynamisch erhöht werden. Es darf im wohlhabenden Deutschland nicht länger vorkommen, dass ein Studium am Geld scheitert oder Studieninteressierte aus Sorge vor Verschuldung gleich ganz auf ein Studium verzichten.