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17. November 2010
Veranstaltung, Jugendliche

Medienkompetenz und Soziale Netzwerke

Beim Netzpolitischen Kongress der grünen Bundestagsfraktion begrüßte Kai Gehring die TeilnehmerInnen seines Workshops zu Sozialen Netzwerken mit den Schwerpunkten Jugend und Medienkompetenz: „Wir wollen grüne Netzpolitik im Dialog entwickeln. Die Ergebnisse werden in die parlamentarischen Initiativen einfließen und auch von unseren Mitgliedern in der Bundestags-Enquete eingebracht, die auch eine AG zum Thema Medienkompetenz eingerichtet hat.“ Er berichtete weiterhin über die bisherigen gesetzlichen Initiativen in diesen Bereichen, insbesondere zum Datenschutz in Sozialen Netzwerken: “30 Millionen Bürgerinnen und Bürgern sind in sozialen Netzwerken. Politische Kommunikation wird verändert. Netzwerke sind mittlerweile alltäglicher Bestandteil von politischer Arbeit.“ Neben großen Chancen gibt es auch Risiken: Erhebliche Mängel bei Datenschutz und Datensicherheit. Kostenfreie Mitgliedschaft habe auch einen Preis: Persönliche Daten können zu kommerziellen Zwecken genutzt werden, insbesondere für Werbung. Auch „Jugendsünden“ werden im Netz nicht vergessen. Notwendig sind bessere, zielgruppenspezifische Information.

Die Medienpädagogin Christina Grimm aus Hamburg gab einen fachlichen Input aus der Praxis und stellte Kernpunkte der Studie „Heranwachsen im Social Web“ des Hans-Bredow-Instituts vor. Eine Grundfragestellung für Medienpädagogen sei: „Wie nutzen Jugendliche soziale Netzwerke?“: Information, Identität und Beziehung sind bestimmende Handlungskomponenten, die sich im Laufe der Entwicklung verschieben („Wie orientiere ich mich in der Welt?“). Anstelle einer solchen differenzierten Herangehensweise sei der öffentliche Diskurs negativ behaftet. Technische und juristische Regelungen stünden dabei im Vordergrund. Notwendig seien verschiedene Instrumente zur Stärkung der Medienkompetenz: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung. Über kreative Prozesse und handlungsorientierte Medienarbeit könne Reflexion an besten gefördert werden.
In der anschließenden Diskussion wurde einhellig festgestellt, dass rein juristische Zugangsweisen ist nicht zielführend sind. Auch in sozialen Netzwerken müssten Respekt und Verantwortung gesteigert werden. Die Perspektiven und Einstellungen der Kinder und Jugendlichen dürften dabei nicht außer Acht gelassen werden. So müssen Jugendliche als Experten wahrgenommen werden. Als ein positives Beispiel wurde die Ausbildung zu „SchülerVZ-Scouts“ genannt. bei der ältere SchülerInnen stehen den Jüngeren beratend zur Seite stehen. Auch gebe es „Ausbildungen zu „Handy-Scouts“, die sich auch mit Themen wie Gewaltdarstellungen („Happy Slapping“) auseinandersetzen. Eltern und Schulen seien häufig überfordert, es gebe Tendenz zu Handy-Verboten in Schulen. Sinnvoll seien Streitschlichtermodelle und andere Maßnahmen zur Förderung von Zivilcourage, die auch Fragen der Mediennutzung aufgreifen.

Medienkompetenzvermittlung wurde als generationenübergreifende Aufgabe diskutiert. So müsse die medienpädagogische Elternarbeit weiterhin durch die Landesmedienanstalten gefördert werden. Medienpädagogische Angebote für SchülerInnen müssten ebenso wie Multiplikatorenschulung flächendeckend stattfinden. Strukturen für außerschulische Akteure seien eine Seltenheit und würden oft nur kurzfristig finanziert Zudem müssten die bestehenden Angebote bekannter gemacht werden. Notwendig sei zudem eine bessere Verankerung des Themas in pädagogischen Studiengängen.

Auch die Anbieter sozialer Netzwerke müssten stärker in Verantwortung genommen und der Datenschutz gestärkt werden. Karsten Neumann, Landesbeauftragter für Datenschutz in Mecklenburg-Vorpommern thematisierte in diesem Zusammenhang das informationelle Verhältnis Nutzer/Kind/Eltern: Die Netzwerke seien Teil des Lebens der Kinder. Geklärt werden müsste auch hier das Recht auf informationelle Selbstbestimmung (und dessen Wahrnahme für unter 18-jährige). Dies könne kaum in „Privacy Einstellungen“ abgebildet werden. Andere Kulturkompetenzen müssten entwickelt werden. Christina Grimm setzte auch bei dieser Frage auf respektvollen Umgang und frühzeitigen Dialog, um die Begriffe „Öffentlichkeit und Privatheit“ zu klären. Der Jugendschutzbeauftragte von SchülerVZ, Philippe Gröschel, erläuterte die Konzeption als Kommunikationsraum für Schülerinnen und Schüler. Kai Gehring formulierte zusammenfassend einen Vorrang für Aufklärung und Information. Die digitale Spaltung müsse verringert und breitere Kompetenzförderung ermöglicht werden. Auch die Anbieter blieben in der Pflicht nehmen, z.B. bei den Privacy-Einstellungen und der Nutzerinformation.

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