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14. September 2010
Veranstaltung, Zivildienst und Freiwilligendienste

Jugendforum: Ausbau der Freiwilligendienste endlich anpacken

Viele junge Menschen wollen sich freiwillig engagieren. Freiwilligendienste bieten dazu eine einzigartige Chance, etwa in den Bereichen Soziales, Umwelt, Jugend oder Kultur, im Inland, in Europa oder in Entwicklungsdiensten. Die Nachfrage übersteigt das Platzangebot allerdings bei weitem. Auf einen Platz kommen im Durchschnitt drei engagementbereite Jugendliche. Vor diesem Hintergrund hat die Bundestagsfraktion ein Jugendforum unter dem Motto "Freiwillige vor! Wege zum Ausbau der Freiwilligendienste" veranstaltet. Rund 150 Freiwillige, Vertreter von Trägern und Einsatzstellen diskutierten mit grünen Abgeordneten über ihre Erfahrungen und Forderungen. Besondere Aktualität erhielt die Diskussion auch deshalb, weil das ungerechte Modell von Wehrpflicht und Zivildienst vor dem Aus steht und freiwillige Alternativen dringender den je gebraucht werden, wie der Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin in seinem Statement betonte.

Freiwillige vor: Den Ausbau ernsthaft angehen

Kai Gehring, jugendpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, betonte in der Begrüßungsrede, dass der quantitative und  qualitative Ausbau der Freiwilligendienste seit Jahren vernachlässigt wurde. Nachdem sich die Koalition zunächst eine unausgegorene Verkürzung der Pflichtdienste wollte, ging der Streit um eine Aussetzung der Wehrpflicht und die Verlängerung des Zivildienstes munter weiter. Es sei absurd, dass nun von der Union auch noch ein allgemeiner Pflichtdienst diskutiert würde, während die bestehenden freiwilligen Dienste immer noch viele Bewerberinnen und Bewerber abweisen müssten. Notwendig sei ein arbeitsmarktneutraler Bildungsdienst. Die Politik dürfe ihre Hausaufgaben nicht länger verschlafen. Wenn die überholten Pflichtdienste abgeschafft werden, müssten die so frei werdenden Mittel in die Förderung der Freiwilligkeit investiert werden.

Engagement anerkennen und Freiräume ermöglichen

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren sich einig, dass die Dienstpflichtdebatte nur von den eigentlichen Hausaufgaben ablenken würde. Zudem sei eine Dienstpflicht durch UN-Konventionen und europäische Vereinbarungen ausgeschlossen. So zeigte sich Uwe Slüter vom Bund der Katholischen Jugend besorgt über das hinter dieser Debatte stehende Menschenbild. Solidarität solle nicht erzwungen werden. Die Jugendforscherin Sibylle Picot erläuterte das weiterhin große Engagementinteresse Jugendlicher, wies jedoch auch auf zunehmend schwierige bildungspolitische Rahmenbedingungen hin.  Kerstin Hübner, Bundestutorin des Freiwilligen Sozialen Jahres Kultur, stellte ebenso wie Daniel Grein, Geschäftsführer des Bundesjugendrings, die Wichtigkeit der Freiwilligenjahre als Experimentierfeld für junge Menschen in den Mittelpunkt. Einhellig kritisch äußerte sich die Runde zu Bestrebungen des Bundes, die Zivilgesellschaft bei der Organisation der Dienste zurückzudrängen und Parallelstrukturen zu schaffen.

Probleme der Dienste gezielt angehen

Eine Leitfrage des Jugendforums beschäftigte sich damit, wie bisher unterrepräsentierte Gruppen für die Dienste gewonnen werden könnten. Jugendliche aus benachteiligten Elternhäusern sollten gezielt angesprochen und unterstützt werden. Zudem müsse die nicht-monetäre Anerkennung für alle Dienstleistenden verbessert werden, zum Beispiel durch die Anrechnung als Wartesemester bei der Studienzulassung. Das Jugendforum diskutierte in vier Workshops über die spezifischen Ausbaupotentiale des Freiwilligen Sozialen Jahres, der entwicklungspolitischen und internationalen Dienste sowie des Freiwilligen Ökologischen Jahres.

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