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Pressemitteilung

Programme für Nachwuchs und „innovative Hochschulen“: Die Problemzonen bleiben

Heute hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) die Vereinbarungen für ein „Bund-Länder-Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs“ und die „Bund-Länder-Initiative Innovative Hochschulen“ beschlossen. Dazu erklärt Kai Gehring, Sprecher für Hochschule, Wissenschaft und Forschung sowie Obmann im Ausschuss für Bildung und Forschung:

Die beiden Bund-Länder-Vereinbarungen für den „wissenschaftlichen Nachwuchs“ und für „Innovative Hochschulen“ zielen auf Problemzonen der Hochschulen, ohne sie zu beseitigen. Wie schon bei der künftigen Exzellenzinitiative ist ein großer Wurf ausgeblieben. Denn es fehlt weiter der gemeinsame Wille, die Grundfinanzierung und Qualität aller Hochschulen bundesweit dauerhaft zu verbessern.

Zusätzliche 1.000 Tenure-Track-Professuren soll das Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs an Universitäten bringen. Das ist gemessen an den Forderungen unter anderem des Wissenschaftsrats nach 7.500 zusätzlichen Professuren und gemessen an derzeit 1.600 Juniorprofessuren eine zu kleine Hausnummer. Von einem Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Gänze kann keine Rede sein, weil andere Personalkategorien und der Mittelbau außen vor bleiben. Das Programm ist eine zarte Pflanze, um die Tenure-Track-Professur als neuen Karriereweg wachsen zu lassen. Zur bundesweiten strukturellen Modernisierung universitärer Personalstrukturen jenseits der Professur enthält das Programm über den 15%-Strategiezuschlag hinaus nichts.

Der schmale Flaschenhals für Nachwuchswissenschaftler*innen wird ein kleines bisschen erweitert. Wer keine Chance auf einen Tenure erhält, für den ändert sich nichts. Unklare Perspektiven und wenig Planbarkeit bleiben an der Tagesordnung – und das, obwohl auch künftig viele junge Nachwuchskräfte, die unter anderem durch die Exzellenzinitiative gefördert werden, nachdrängen.

Enttäuschend ist, dass Wankas Programm keine explizite Förderung von Frauen in der Wissenschaft enthält. In „Gesamtkonzepten“ darzulegen, was eine Hochschule für die Verbesserung von Chancengerechtigkeit zu tun gedenkt, ist gemessen an konkreten harten Gleichstellungszielen zu schwammig.

Das Förderprogramm „innovative Hochschulen“ wirkt konturlos: Es ist richtig, die Rolle von Fachhochschulen und kleinen bis mittleren Universitäten in ihrem regionalen Innovationssystem zu stärken und den Transfer von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft anzureizen. Das Programm birgt jedoch das hohe Risiko, bloß technik- und wirtschaftsorientierte Transferstrategien zu bedienen. In der Auswahl sollte das ganze Spektrum auch in Richtung sozialer Innovationen berücksichtigt werden.

Die zwei Millionen Euro pro Jahr, die eine Hochschule erhalten kann, sind wohl als kleines Trostpflaster für diejenigen gedacht, die bei der Exzellenzinitiative zu kurz kommen oder ohnehin chancenlos sind. Allerdings wird nur ein Bruchteil der rund 230 staatlichen Hochschulen am Ende zum Zuge kommen. Denn es stehen nur 550 Millionen Euro verteilt auf 10 Jahre zur Verfügung – etwa genauso viel, wie die Exzellenzinitiative jährlich kostet.

Auch nach den heutigen GWK-Beschlüssen steht die überfällige Neuaufstellung der Wissenschaftsfinanzierung aus. Das wird die nächste Bundesregierung ebenso angehen müssen wie eine Initiative für moderne „Infrastrukturen des Wissens“, denn Sanierung und Ausbau von Hochschulbauten für Forschung und Lehre werden – siehe auch KMK-Beschluss – immer drängender. Wir machen weiter Druck, beides zügig anzupacken.